Hamburger Rudersport überzeugt bei außergewöhnlicher DJM in Krefeld
Vom 25. bis 28. Juni 2026 wurde die Deutsche Jugend- und Jahrgangsmeisterschaft U17/U19/U23 am Elfrather See in Krefeld ausgetragen – unter Bedingungen, die diese Meisterschaft schon vor dem ersten Start besonders machten. Eigentlich war Essen als Austragungsort vorgesehen. Wegen einer außerordentlich starken Verkrautung des Baldeneysees, insbesondere im Bereich der Regattastrecke zwischen 1.200 und 2.000 Metern, wurde die Meisterschaft kurzfristig nach Krefeld verlegt. Für den Deutschen Ruderverband stand dabei die Sicherstellung fairer Wettkampfbedingungen und der vollen Streckenlänge im Vordergrund.
Die zweite Herausforderung wartete direkt am Regattaplatz: Krefeld wurde zur Hitzeschlacht. Am Elfrather See stiegen die Temperaturen zeitweise auf bis zu 40 Grad – Bedingungen, die jedes Rennen, jedes Warmfahren und jede Regeneration beeinflussten. Wer hier an den Start ging, musste nicht nur gegen die Konkurrenz bestehen, sondern auch mit der außergewöhnlichen Belastung umgehen. Der Zeitplan wurde deshalb mehrfach angepasst, Hoffnungsläufe und Bahnverteilungsrennen entfielen, viele Entscheidungen wurden in die früheren Tagesabschnitte gelegt.
Unter diesen Vorzeichen zeigte der Hamburger Rudersport eine herausragend starke Gesamtleistung. Über alle Altersbereiche hinweg standen Hamburger Athletinnen und Athleten in Finals, gewannen Titel, holten Medaillen in Klein- und Mannschaftsbooten und empfahlen sich für internationale Aufgaben. Besonders stark: Hamburg war nicht nur punktuell erfolgreich, sondern in der ganzen Breite sichtbar – von der U17 über die U19 bis in den U23-Bereich.
U17: Zwei Achter-Siege als starkes Signal
Ein Ausrufezeichen setzte der Hamburger Nachwuchs in der U17. Der Alster-Club gewann sowohl den Juniorinnen-Achter B als auch den Junioren-Achter B – ein Doppelerfolg, der die Breite und Qualität der Hamburger Nachwuchsarbeit eindrucksvoll zeigt.
Der Juniorinnen-Achter mit Anjuli Sarkar, Hannah Minkler, Marie-Lou Berghäuser, Rahel Sabrowski, Frieda Pesch, Antonia Saamer, Sophia Hirtz, Kyra Dippe und Steuerfrau Karlotta Roggan übernahm früh die Kontrolle und gewann über 1.500 Meter in 4:51,76 Minuten. Nur wenige Minuten später legte der Junioren-Achter nach: Lias Kern, Antoine Ulrichs, Friedrich Berderow, Julius Jonah Fischer, Bendix Lindae, Benedikt Albers, Tristan Menzlow, Nils Krauer und Steuerfrau Lisa Marie Meinicke setzten sich in einem engen Finale mit 0,99 Sekunden Vorsprung durch.
Auch in den weiteren U17-Rennen war Hamburg immer wieder mitten in den Medaillenentscheidungen. Frieda Pesch und Antonia Saamer ruderten im Juniorinnen-Doppelzweier B auf Rang drei – in einem Rennen, in dem die ersten vier Boote innerhalb von nur 1,85 Sekunden ins Ziel kamen. Benedikt Albers und Bendix Lindae wurden im Junioren-Doppelzweier B Zweite, nachdem sie bei 1.000 Metern noch in Führung gelegen hatten.
Bronze gab es außerdem für Friedrich Berderow, Julius Jonah Fischer, Lias Kern, Antoine Ulrichs und Lisa Marie Meinicke im Junioren-Vierer mit Steuerfrau B sowie für Marie-Lou Berghäuser, Hannah Minkler, Sophia Hirtz und Kyra Dippe im Juniorinnen-Vierer ohne Steuerfrau B. Besonders eng war es im Leichtgewichtsbereich: Nil Prigge und Finn Lenzner holten Bronze im Junioren-Doppelzweier B LG mit nur 1,82 Sekunden Rückstand auf Gold. Im Leichtgewichts-Junioren-Doppelvierer mit Steuermann B wurden Silas Norwin Giesecke, Nil Prigge, Finn Lenzner, Simon Hornig und Steuermann Levin Städtler Dritte – nur 0,13 Sekunden hinter Silber und 1,44 Sekunden hinter dem Titel.
Tristan Menzlow und Nils Krauer komplettierten die starke U17-Bilanz mit Silber im Junioren-Zweier ohne Steuerfrau B. Besonders bemerkenswert: Hamburg war bei den B-Juniorinnen und B-Junioren in allen Disziplinen vorne dabei und brachte alle vorderen Projektboote in die Medaillen. Erstmals seit Einführung konnten beide Achter gewonnen werden; der Junioren-Achter ging bereits zum dritten Mal in Folge nach Hamburg. Auch der Jugendpokal des DRV blieb – wie in den vergangenen Jahren – in Hamburger Hand.
U19: Titel in Schlüsselbooten und direkte Nationalmannschaftsperspektive
In der U19 zeigte Hamburg nicht nur Breite, sondern vor allem Qualität in den zentralen Leistungsbooten. Mehrere Rennen hatten direkte Bedeutung für die weitere Mannschaftsbildung im Juniorenbereich – und genau dort setzten Hamburger Athletinnen und Athleten starke Zeichen.
Oskar Müller vom Ruderverein Wandsbek gewann den Junioren-Einer A souverän. Er lag bei allen Zwischenzeiten vorn und siegte mit 7,05 Sekunden Vorsprung. Maria Pesch und Charlotte Paulat vom Alster-RV Hanseat gewannen den Juniorinnen-Zweier ohne Steuerfrau A ebenfalls überzeugend. Auch sie führten ihr Finale von Beginn an und setzten sich am Ende mit 8,99 Sekunden Vorsprung durch.
Einen weiteren Titel holten Yoan Ivanov und Henrik Möller im Junioren-Vierer ohne Steuerfrau A. In Renngemeinschaft mit RC Potsdam und WSV Königs Wusterhausen gewann das Boot mit 3,85 Sekunden Vorsprung. Im Junioren-Achter A bestätigten Ivanov und Möller ihre Stärke noch einmal: Das Siegerboot führte bei allen Zwischenzeiten und gewann den letzten U19-Finallauf des Tages.
Auch bei den Juniorinnen war Hamburg stark vertreten. Kaya Wölk gewann im Juniorinnen-Doppelvierer A Gold und hatte zuvor im Juniorinnen-Doppelzweier A gemeinsam mit Greta Amort Silber geholt. Helene Sophie Siemssen wurde im Juniorinnen-Doppelzweier A Dritte. Sofia Tatsis holte Bronze im Juniorinnen-Doppelvierer A.
Im Junioren-Vierer mit Steuerfrau A ruderten Julius Engelmann und Richard Bruno Christophers in einer Renngemeinschaft mit LRV Mecklenburg-Vorpommern und Lübecker RG auf Platz zwei – nur 1,75 Sekunden hinter Gold. Per Linus Petersen und Jonas Kursawe wurden im Leichtgewichts-Junioren-Doppelzweier A Zweite und wiederholten diese Platzierung später im Leichtgewichts-Junioren-Doppelvierer A.
Weitere Medaillen gingen an Lynn Jördis Bäcker mit Bronze im Juniorinnen-Zweier ohne Steuerfrau A, an Lena Dwars, Julie Neubauer und Lucy Franzius mit Bronze im Juniorinnen-Vierer mit Steuerfrau A sowie an Moritz Tomforde mit Bronze im Junioren-Einer A.
Besonders wertvoll ist diese Bilanz mit Blick auf die internationalen Aufgaben. Für die U19-Weltmeisterschaft sind Oskar Müller, Maria Pesch, Charlotte Paulat, Henrik Möller und Yoan Ivanov direkt nominiert. Als Trainer sind Friedrich Kaiser und Friedrich Dunkel benannt. In der weiteren Mannschaftsbildung für U19-WM oder Coupe de la Jeunesse stehen Kaya Wölk, Sofia Tatsis, Moritz Tomforde, Julius Engelmann, Richard Christophers, Lynn Bäcker und Helene Siemssen.
U23: Reife, Rennhärte und internationale Anschlussfähigkeit
Der U23-Bereich zeigte die ganze Stärke des Hamburger Ruderns im Übergang vom Junioren- in den Leistungsbereich: viele Medaillen, zahlreiche Renngemeinschaften mit Hamburger Beteiligung und mehrere Entscheidungen, die erst auf den letzten Metern fielen.
Ein sportlicher Höhepunkt war das Finale im Frauen-Vierer ohne Steuerfrau B. Melisa Mujic gewann mit ihrer Renngemeinschaft Gold – nur 0,32 Sekunden vor dem Boot mit Nike Utesch und Daniela Thiermann. Das war eine Entscheidung auf den letzten Schlägen.
Auch im Männer-Einer B wurde es spannend. Jesse Ilsemann führte über 500, 1.000 und 1.500 Meter, musste sich im Ziel aber um 1,55 Sekunden geschlagen geben. Dieses Silber erzählt mehr als nur eine Platzierung: Es war ein Rennen, das bis zum Schluss offen blieb.
Besonders knapp wurde es außerdem im Frauen-Zweier ohne Steuerfrau B: Raphaela Werner und Lene Holkenbrink ruderten auf Platz zwei und verfehlten den Meistertitel nur um 1,06 Sekunden. Dass sie nach einer längeren Erkältungsphase noch nicht wieder ganz bei voller Kraft waren, macht diese Leistung umso bemerkenswerter.
Weitere U23-Titel mit Hamburger Beteiligung gab es unter anderem im Männer-Vierer mit Steuerfrau B durch Hugo Thomas, Matti Thomas und Jette Hansen sowie im Leichtgewichts-Männer-Zweier ohne Steuerfrau B durch Thore Kumutat und Julius Lünenborg. Kumutat und Lünenborg waren außerdem Teil des siegreichen Leichtgewichts-Männer-Achters B. Jonas Düse, Safa Alexander Cuny und Lucy Franzius holten in diesem Rennen Bronze.
Im Männer-Achter B gewann Leonardo Rosenquist Gold, Ben Tazir saß ebenfalls im Siegerboot. Max Gillmann, Matti Thomas, Hugo Thomas und Jette Hansen ruderten in einem weiteren Boot mit Hamburger Beteiligung auf Platz drei. Im Frauen-Achter B gewannen Nike Utesch und Daniela Thiermann Gold; Lene Holkenbrink, Gesa Junge und Melisa Mujic wurden Zweite, Aenne zum Felde holte Bronze.
Auch im Doppel- und Skullbereich gab es Medaillen: Thorben Mellwig wurde Dritter im Leichtgewichts-Männer-Doppelzweier B, Anna Yuri Koseki holte Bronze im Frauen-Doppelvierer B, Jesse Ilsemann wurde Zweiter im Männer-Doppelvierer B.
Die U23-Bilanz hat direkte internationale Bedeutung: Für die U23-WM sind Nike Utesch und Daniela Thiermann im Frauen-Achter, Melisa Mujic im Frauen-Vierer ohne, Leonardo Rosenquist im Männer-Achter und Jesse Ilsemann im Männer-Einer nominiert. Lene Holkenbrink ist als Ersatzfrau benannt.
Hamburg zeigt, was gewachsen ist
Diese DJM war mehr als eine Meisterschaft mit Medaillen. Sie war ein Belastungstest – organisatorisch, klimatisch und sportlich. Die kurzfristige Verlegung, die außergewöhnliche Hitze am Elfrather See, die angepassten Zeitpläne und die verdichteten Rennabläufe verlangten allen Beteiligten viel ab. Gleichzeitig zeigten die Hamburger Boote genau unter diesen Bedingungen, wie stabil die Arbeit an den Stützpunkten, in den Vereinen und in den Trainingsgruppen geworden ist.
Die U17 überzeugte mit Breite und beiden Achter-Titeln. Die U19 gewann in Schlüsselbooten und stellte mehrere Athletinnen und Athleten für die direkte Nationalmannschaftsnominierung beziehungsweise Mannschaftsbildung. Die U23 bewies Rennhärte, Finalqualität und internationale Anschlussfähigkeit.
Für den Hamburger Rudersport ist diese DJM damit ein starkes Signal: Die Nachwuchsarbeit trägt, die Leistungsspitze ist präsent – und viele der Hamburger Athletinnen und Athleten haben in Krefeld gezeigt, dass sie bereit sind für die nächsten Aufgaben.
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